Bulldog Blog

sniffing around investigative reporting

Banker und Kinderporno-Spuren

Alle Medien schreiben, reden und echauffieren sich über (Ex-)Bundesbanker Thilo Sarrazin – dabei gibt es noch ein paar Berufskollegen, die einen entsetzten Aufschrei der Öffentlichkeit verdienen. DER SPIEGEL, namentlich die Kollegen Jürgen Dahlkamp, Gunther Latsch und Jörg Schmitt, berichtet seit zwei Wochen über Ereignisse bei der HSH Nordbank, die kaum zu fassen sind. Um einen missliebigen Manager loszuwerden, sollen Kinderporno-Spuren gelegt worden seien. Einem anderen Banker seien Belege untergeschoben worden, dass er als Maulwurf Informationen der Presse stecke.  Mitarbeiter seien von einer Security-Firma ausspioniert, Büros verwanzt worden.

Unglaublich!?! Die Lektüre lohnt sich, dieser Wirtschaftskrimi ist vielleicht der stärkste Scoop des Sommers – noch vor den Wikileaks-Dokumenten zur Lage in Afghanistan. Jetzt geht es bei der HSH darum, wer was wann gewusst hat. Aber Hand aufs Herz: Sollten die Berichte stimmen, könnten Aufsichtsrat und Vorstand der Bank geschlossen zurücktreten. Es ist an der Zeit, dass sich jemand darüber aufregt, Sarrazin bekommt schon genug Aufmerksamkeit.

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Dieser Wachhund interessiert sich für bissigen Journalismus, den es Experten zufolge in Deutschland gar nicht gibt, der trotzdem immer weniger wird, aber für die Demokratie unerlässlich ist: Investigativen Journalismus. Das Blog will "best practice" Beispiele aus dem deutschen und anglo-amerikanischen Raum zeigen, handwerkliche Kniffe vermitteln und zur Diskussion über Recherche anregen. Der Autor, Lars-Marten Nagel, arbeitet als freier Reporter, Rechercheur und Recherchetrainer in Hamburg und mag vor allem eines: Gut recherchierte Geschichten.