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sniffing around investigative reporting

With a little help of my daddy?

Der Artikel in „The New Yorker“ liest sich hochspannend, fast so, als hätte Nicholas Schmidle die 23 Navy Seals selbst begleitet, die Osama bin Laden zur Strecke gebracht haben. „Getting Bin Laden“ steht über dem Text. Ein Volltreffer für den freien Journalisten. Bei der Lektüre stellt man sich ständig die Pfister-Seehofer-Frage („Wie ist der bloß in diesen Keller…?“) in leicht abgewandelter Form: Warum reden diese vielen Leute aus dem Weißen Haus, von CIA und Department of Defense mit Schmidle? Schmidle ist 32 Jahre alt, also sehr wahrscheinlich nicht wie Woodward mit der Machtelite vernetzt. Warum erzählen die Hochdekorierten ihm all diese bunten Details?

Zugegeben, als junger Journalist, solche Quellen hätte ich gerne. Aber: Nicholas Schmidle ist ein erfahrender Reporter, lebte in Pakistan, flog dort raus, als er kritisch schrieb. Einer wie er, der kennt sich aus. Und doch bleibt der Text in zwei Punkten zu hinterfragen:

1. Der Leseeindruck trügt: Schmidle saß nicht im Helikopter und hat mit keinem der teilnehmenden Seals gesprochen, wie die Washington Post schreibt. Der Text ist eine Rekonstruktion auf Basis von Gesprächen seiner Informanten mit Teilnehmern an dem Einsatz. Völlig legitim, sagt der Editor von „The New Yorker“. Aber was wohl die Jury des Henry-Nannen-Preises dazu sagen würde?

2. Noch heikler ist ein anderer Punkt. Schmidle’s Vater ist ein hochrangiger US-Offizier, wie die Washington Post und das Blog Cryptome (grundsätzlich sehr lesenswert!) hervorheben. Angeblich habe sich Daddy aus der Recherche rausgehalten. Im Text schreibt Nicolas Schmidle an einigen Stellen durchaus kritisch, wie die Marines unbewaffnete Frauen erschießen und dass Osama nie lebend gefangen werden sollte. Aber an anderer Stellen werden Offizielle zitiert, die selbst die Pannen noch schönfärben dürfen, wie etwa den Verlust eines der beider Helikopter, kritisiert Cryptome.

“I’m glad no one was hurt in the crash, but, on the other hand, I’m sort of glad we left the helicopter there,” the special-operations officer said. “It quiets the conspiracy mongers out there and instantly lends credibility. You believe everything else instantly, because there’s a helicopter sitting there.”

Niemand weiß, ob Vater Schmidle Einfluss auf Text oder Gesprächspartner genommen hat. Das soll daher hier auch nicht unterstellt werden, aber der Verdacht allein reicht aus, um den Lesegenuss nachträglich zu trügen. Daddy ist Repräsentant jenes Apparates, über den der Sohn kritisch berichten soll. Schwierig! „The New Yorker“ hätte für die Geschichte besser einen anderen Autoren gewählt. An Kandidaten für Militärthemen sollte es eigentlich nicht fehlen, auch Seymour Hersch schreibt regelmäßig für das Blatt.

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Dieser Wachhund interessiert sich für bissigen Journalismus, den es Experten zufolge in Deutschland gar nicht gibt, der trotzdem immer weniger wird, aber für die Demokratie unerlässlich ist: Investigativen Journalismus. Das Blog will "best practice" Beispiele aus dem deutschen und anglo-amerikanischen Raum zeigen, handwerkliche Kniffe vermitteln und zur Diskussion über Recherche anregen. Der Autor, Lars-Marten Nagel, arbeitet als freier Reporter, Rechercheur und Recherchetrainer in Hamburg und mag vor allem eines: Gut recherchierte Geschichten.